Die "Mosella" des Galliers D. M. Ausonius (um 371 n.Chr. in Trier entstanden) ist vermutlich das älteste erhaltene poetische Dokument Deutschlands. Es ist ein Lobgedicht auf die Mosel, eine literarische Liebkosung ihrer üppigen Landschaft und preist das Geschick der Angler, Winzer und Architekten, die an ihren Ufern wohnen. Ein letzes Bild des Glücks vor dem großen Sturm, in dem diese Welt unterging. - Kann es noch als Spiegel der Verhältnisse von heute taugen? Fordern die ebenso sinnlichen wie konkreten Beschreibungen von Ausonius nicht gerade zum Vergleich heraus? Seine 483 Verse bilden die Grundlage von STROM SPIEGEL, einem groß angelegten Klanginstallations- und Hörspielprojekt. >
FLUSSWASSER, BOJEN, FISCHE
Akustische Korrelate zu den von Ausonius angesprochenen Themen einerseits sowie zu regionalen Besonderheiten des Raumes andererseits (Atmosphären, Geräusche an/in der Mosel, in der Stadt Trier, außerdem Interviews, Statements der AnwohnerInnen) bilden den inhaltlichen Kern der Klanginstallation. Aus diesen Aufnahmen zusammen mit Teilen des Originaltextes der MOSELLA entstand die Komposition des begehbaren Hörspiels in Form einer Klanginstallation:
- 8-kanalige Installation aus dem atmosphärischen Material als akustisches Flußwasser
- in diesem wiederum 8 Hörrohre als Bojen mit thematisch unterschiedlichen O-Ton Miniaturen im Raum verteilt.
Diese Klanginstallation wird in einer Konzertperformance bespielt (Katharina Bihler, Stimme/ Electronics; Stefan Scheib, Kontrabaß/Zuspielband; Dirk Rothbrust, Perkussion).
Die Musik von Stefan Scheib setzt den Text der MOSELLA auf der Basis einer siebentönigen Reihe um, die auf Wassertropfen basiert und im Laufe von sieben Kapiteln eine Transformation erfährt. Die Komposition bezieht O-Töne, Atmosphären und live-Sampling mit ein, teilweise durch elektronische Behandlung auf ihr lautliches Grundgerüst zurückgeführt.Die Hörspielredaktion des SWR Baden-Baden produzierte STROM SPIEGEL als Radio-Hörspiel (Regie: Iris Drögekamp). Es wurde am 2. Januar 2003 um 21 Uhr auf SWR2 gesendet.
STROM SPIEGEL
Hörspielprojekt nach der "Mosella" des Ausonius von Stefan Scheib und Katharina Bihler
Komposition: Stefan Scheib
Mitarbeit und Hörspielregie: Iris Drögekamplive mit Dirk Rothbrust (Perkussion), Stefan Scheib (Bass, Soundscapes) und
Katharina Bihler (Stimme, Electronics)Produktion: SWR / Liquid Penguin Ensemble /
hunderttausend.de / Kultursommer RLP 2002