STROM SPIEGEL
Hörspielprojekt nach der "Mosella" des Ausonius von Stefan Scheib und Katharina Bihler

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Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. April '02
Radio-Tagebuch
An der schönen grauen Mosel
Knietief im akustischen Fluß: Die Trierer Hörspieltage des SWR
von MARKUS COLLALTI
[...] Die beste Gelegenheit, sich über den Dialog Orientierung zu verschaffen, bot indes das Künstlerensemble „Liquid Penguin" aus Trier. Es lud in einen Hörraum ein, der - einerseits Klanginstallation, andererseits Hörspielwerkstatt - erste Eindrücke von einer weitläufigen Klanglandschaft der Mosel gab. Sie spannt den Bogen vom antiken Preislied „Mosella" des Ausonius über Erinnerungsberichte von Fischern und Bootsbauern bis hin zu Klangimpressionen von Stadt und Fluß. Mit den vielfältigen akustischen Bezügen, die den Raum erfüllten, trat das dem Jazz verbundene Ensemble aus Baß, Schlagzeug und Gesang in einen Dialog, der sich auf die Suche nach einer mystischen Universalsprache der akustischen Gebärden begab. Das Publikum, eingebettet in den künstlerischen Sprach-findungsprozeß zwischen Neuer Musik und Naturklang, durfte nicht nur durchs akustische Flußwasser waten, sondern auch dessen Qualität prüfen. So erklärte der Schlagwerker Dirk Rothbrust bereitwillig, nach welchen Kriterien er seine Instrumente - unter anderen römische Tonscherben, Angelgerät und Strandgut - zusammengestellt hatte. Während man so dem Wesen des Hörspiels bis in die Feinheiten künstlerischen Handelns nachspüren konnte, stellte sich denn auch die Frage, wer eigentlich wen beglückte. Der SWR die Stadt Trier oder, doch eher umgekehrt, die Klangkünstler der Stadt den SWR. >
Trierischer Volksfreund 08.08.'02
Ein sehr gesprächiger Fluss
"Strom Spiegel" ­
Eine Klanginstallation des "Liquid Penguin"-Ensembles
von EVA-MARIA REUTHER
[...]Eigentlich müsste man barfuß gehen an diesem Abend in der Trierer Tufa. Der ganze Saal ist zu einem wunderbar weichen Strand aus Moselsand geworden, in den unversehens einsinkt, wer nichtsahnend den Raum betritt. Ein Geviert aus weißen Planen schafft einen lichten Raum im Raum. Darin geht es sommerlich entspannt zu. Auf niedrigen Klappstühlen haben sich die Besucher im Sand niedergelassen. [...] Titel und Klänge lassen tief blicken in ein vielschichtiges Flussbild, das immer wieder verschwimmt, das sich verändert, sich verzerrt, sich trübt und bisweilen vergoldet, je nach Verhältnissen und Sicht auf die Dinge. Der Fluss wird dabei zum Spiegel von Zeit, Zeitgeist und Zeitstimmen. [...] Ausonius' Dichtung mag heutiges Moselleben nicht eins zu eins widerspiegeln. Dafür taugt sie wunderbar ­ wie in der Tufa bewiesen wurde ­ als Bildgrund für eine nuancen- und zuweilen kontrastreiche Klangcollage aus gestern und heute. Liquid Penguin schaffte es eindrucksvoll, die antiken Verse mit zeitgenössischen "Mosel-Geräuschen" zu einem lautmalerischen Bild voll Poesie zu verdichten. Katarina Bihlers kultivierte modulationsfähige Stimme trug den Fluss in Ausonius Sinn fast unangefochten von Trier hin zur Mündung. [...] Den Sprung in die Jetzt-Zeit besorgten geräuschvoll die beiden Musiker, Stefan Scheib (Bass; Soundscapes) und Dirk Rothbrust (Percussion). Der Fluss war gesprächig: Da fielen Steine platschend ins Wasser, Fische sprangen, Wellen schwappten, bisweilen störten Straßen- und Flugzeuglärm und das Rattern der Züge das friedliche Bild. Kirchenglocken ertönten am Ufer, ein Gewitter zog auf, irgendwo wurde ein Weinfest gefeiert. Ein Fisch wandt sich in Todesangst, während anderswo sich schon der Koch Gedanken über seine Zubereitung machte. [...] Eine Klanginstallation wie diese setzt Maßstäbe für künftige Kulturprogramme und den berechtigten Anspruch der Stadt als innovativer Kulturstadt. Das wusste auch der gutbesetzte Saal zu schätzen. >

[...]Stefan Scheib und die soeben mit dem rheinland-pfälzischen Förderpreis für junge Künstler ausgezeichnete Katharina Bihler angelten in den zurückliegenden Monaten Geräusche und Klänge aus der Mosel, ließen Trierer Bürger über »ihren« Fluss sprechen und komponierten mit den akustischen Fundstücken, Instrumenten, Effekten und antiken Worten eine neuzeitliche Interpretation über ein römisches Mosel-Gedicht. - Decimus Magnus Ausonius verfasste im Jahre 371 n. Chr. das Lobgedicht »Mosella«, ein schwärmerischer Text, dem man als »Heutiger« nicht unbedingt mehr viel abgewinnen kann – wiewohl STROM SPIEGEL das Gegenteil beweisen wird. Zur Premiere herrscht reger Andrang: nicht jeder der gut 80 Besucher kann sich einen Klapp-(Stuhl) sichern, und so machen es sich einige der Besucher im Moselsand bequem: [...] Es plätschert, es tropft, es gurgelt, es fließt, es ist, als ob Steine gegeneinander schlagen, ein mächtiges, ein fernes, ein dunkles Brummen: wir sind am Fluss, oder vielmehr mitten in ihm – erst jetzt streicht Stefan Scheib über den Bass, Katharina Bihler wispert, gluckst, flüstert, spricht, würgt, trägt vor und singt: die mäandernde Mosel-Reise für die Ohren beginnt. Bei der Live-Performance ist Perkussionist Dirk Rothbrust in ausgesprochen schlagfertiger Weise zugange: er wirft Spielzeugfiguren in Aquarium, hält Kuhglocken ins Wasser, lässt Gläser singen, Tonscherben fallen, streut Sand auf die Kesseltrommel, xylophoniert römische Tonscherben und lässt den fiepsenden Bissanzeiger-Alarm ertönen. Zwischendurch sprechen die Trierer – wenn auch vom Band. [...] Der Fluss fördert ein Unmenge akustischen Treibguts zutage, das vom LIQUID PENGUIN ENSEMBLE mit Wörtern, Tönen, Geräuschen und Melodien kunstvoll in einen neuen Kontext gestellt wird. Die facettenreiche Klangwelt bietet mehr als ein Hör-Erleben. Sie bietet den akustischen Blick auf die Faszination bewegter Wasserwelten, ist sinnliche Erfahrung und spannender Reisebericht zugleich. <

onlinemagazin www.hunderttausend.de, 8. August 2002:
Akustisches Treibgut
Das LIQUID PENGUIN ENSEMBLE stellt sein neues Mosel-Hörspielprojekt STROM SPIEGEL mit Live-Performances in der Tufa vor: Vortrag und Gesang treffen auf Geräusche, O-Töne und Klänge. Das Premierenpublikum bedankt sich für die spannende Vortragsform mit ausdauerndem Beifall.
von JÖRG HALSTEIN
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