Wissen
Sie was Ihr Schläfenlappen gerade macht?
Ein Splitter in dieser Hirnregion
verhalf Schostakowitsch dazu, wann immer er seinen Kopf zur Seite neigte, Musik
zu hören. Auf Röntgenbildern war zu sehen, daß der Splitter seine Lage veränderte,
wenn er seinen Kopf bewegte, und daß er Druck auf den musikalischen Schläfenlappen
ausübte, so daß er eine Fülle von Melodien vernahm, aus denen er schöpfen konnte.
Diese Anekdote, die wohl als Legende bezeichnet werden muß, ist neurologisch betrachtet
durchaus denkbar:
Unsere Hirnwindungen als Film- und Tonarchiv alles je Erlebten.
Vergangene Szenen werden zu Tage gefördert durch aktuelle Wahrnehmungen, unvermutete
Begegnungen, durch eine Hirnverletzung. Die Verbindungen zwischen den vorhandenen
und neu eintreffenden Eindrücken lötet jeder selbst.
Zwei Elemente bilden das Ausgangsmaterial der Performance:
Das (akustische)
Thema des Wassers als Erinnerungsträger und Bild für den Fluß der Gedanken sowie
das Geräusch und Thema Gas, welches für die Flüchtigkeit derselben stehen kann.
Durch Zooming und elektronische Verfremdung dieser Elemente entsteht ein Grundton,
der die gesamte Performance durchzieht. In diesen Grundton mischen sich Geräusche
der Außenwelt von Band, verbalisierte Gedankenketten und Assoziationen, musikalische
Themen, Ikonen der Erinnerung in Videosequenzen, während an einer Werkbank unablässig
Synapsen verdrahtet werden.
Am Ende die Konstruktion der Erinnerung: kein
fotografisches Abbild, vielmehr Montage.
Textgrundlage: Gedankenprotokolle
sowie Auszüge der Erzählung "Das unerbittliche Gedächtnis" von Jorge Luis Borges
Life of Brain ![]()
Katharina Biler & Stefan Scheib
hirnstückperformance
für Stimme Kontrabass Elektronik und Projektion






aus der Presse:
"Gestatten: das Gehirn. Ein Werkstattbesuch..." (SZ,5/2000)
"Eindringlich ist die Reise ins Zentrum der Gedankenwelt, ohne aufdringlich zu sein. Subtilität zeichnet ..." (TV,5/2000)
"Erinnerungen werden lebendig. Sie bestehen aus vielen einzelnen Splittern. Die beiden Künstler haben diese Einzelteilchen einizgartig angeboten und ihre Formen multimedial verknüpft..." (Hunderttausend)
"Aber
was ist das schon, Normalität? Scheib und Bihler fordern zum Nachdenken darüber
heraus und natürlich zur je eigenen Hirnforschung..."
(Heilbronner
Stimme)