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Zuschauerraum wird's dunkel, auf der Bühne sieht man kaum die Hand vor Augen.
Irgendwo tropft Wasser, nur akustisch. Da verrinnt sie also, die Zeit. Die rechte
Bühnenhälfte gehört der Leinwand, links hinten knäuelt sich die Soundtechnik,
daneben ein majestätischer Kontrabass. Vorn ein Arbeitstisch mit Werkzeug, Gefäßen.
Darüber brechen gespannte Drähte das spärliche Licht. Ein Hingucker, das Szenario.
Dass die Beiden, die die Bühne betreten, optisch hinter den Requisiten zurückstehen,
macht Sinn: Der Ort des Geschehens ist Hauptperson und Erzähler zugleich. Gestatten:
das Gehirn. Ein Werkstattbesuch. Im "Theater im Viertel" in Saarbrücken präsentiert
das "Liquid Penguin Duo" die szenische Ausformung eines Phänomens, das die moderne
Literatur als "Bewusstseinsstrom" kennt: eine lose Kette von Assoziationen, nur
gebündelt durchs erlebende Subjekt. Paradebeispiel
des reizüberfluteten Individuums: der Mensch in den (Groß-)Stadtstraßen. Also
macht sich auch "Life of brain" auf den Weg. Zu Fuß durch Saarbrücken, imaginiert
nur von zwei Gestalten auf der Bühne, raffinierter Videokunst und jeder Menge
Geräuschen. Das Publikum, im Kopf des Flaneurs sitzend, puzzelt sich aus
den eintrudelnden Informationen die Handlung zusammen. An der Werkbank friemelt
Katharina Bihler zierliche Drahtkunst: Die Synapsen knüpfen ihre Verbindungen.
Gemurmelte Satzfetzen kreisen um die zeitsparendste Route, überbringen Eindrücke,
rezitieren Passagen aus Jorge Luis Borges "Unerbittlichem Gedächtnis". Höhepunkt
ist die plötzliche Begegnung mit einem flüchtigen Bekannten, nach "Smalltalk"-Manier:
Je weniger man sich zu sagen hat, desto mehr wird geredet. Im Hintergrund
lässt Stefan Scheib seinen Bass pulsieren. Und bedient die Sampler, lässt Sprach-
und Soundfragmente als Echos durch den Raum wabern, zerpflückt das Tempo. Auf
der Leinwand eine Parade von Schritten durch Saarbrückens Fußgängerzone und immer
wieder ein Abstecher ins Fotolabor: Erinnerungen zum Einkleben. Aus improvisierten
Jazz-Einlagen, Bahnhofs-Atmo, Straßengeräuschen und Monologen ergibt sich nach
und nach eine Wahrnehmungs-Sinfonie. Sehenswert, hörenswert. kp |