| TRIER.
Das "Liquid Penguin Duo" mäandert durch die Windungen des Denkzentrums, alles
dreht sich um das Gehirn: "Life of Brain" feierte in der Trierer Tufa Premiere.
Ireneo Funes hat ein Problem: Er weiß zuviel. Nach einem Sturz erkennt er,
was ihm zuvor entgangen war: Er sah, ohne etwas wahrzunehmen. Er hörte, ohne etwas
zu verstehen. Blind, taub, geistesabwesend war er. "Wie alle Menschen", sagt er.
Der Sturz schärft seine Sinne bis ins Unerträgliche: Jedes Detail haftet unauslöschlich
in seinem Gehirn, jeder Gedanke giert nach Ewigkeit - bis der 19-Jährige stirbt.
Weil er buchstäblich keine Zeit mehr zu leben hat. Jorge Luis Borges' Parabel
über den Mann, der nichts vergessen konnte, dient dem "Liquid Penguin Duo" als
Leitmotiv für ihre experimentelle Aufführung "Life of Brain". Etwa 50 Zuschauer
in der Tufa wollten die Premiere der einstündigen "Hirn-Stück-Performance" sehen,
in der sich alles um Erinnerung, Gedanken und Assoziationen dreht. "Das Gehirn
ist ein Irrweg", erkannte schon Gottfried Benn und Ireneo macht die gleiche Erfahrung:
"Mein Gedächtnis ist eine Abfalltonne". Katharina Bihler (Stimme, Sampler,
Video) und Stefan Scheib (Kontrabass, Elektronik, Geräusche) bringen die gedanklichen
Versatzstücke in Form. Das Duo arbeitet mit Videosequenzen, Geräuschen und Rezitationen
bei jazziger Kontrabass-Untermalung und bleibt im positiven Sinne multimedial.
Das "Liquid Penguin Duo" verzichtet auf Effekthascherei und Bombast: Die collagenartigen
Videosequenzen ergänzen Bihlers Ausführungen über Gedanken und Gedächtnis, Scheibs
bisweilen minimalistischer Bass drängt sich ebenfalls nicht in den Vordergrund.
Eindringlich ist die Reise ins Zentrum der Gedankenwelt, ohne aufdringlich
zu sein. Subtilität zeichnet die neue experimentelle Aufführung der Saarbrücker
aus, die bereits mit Paul Austers "Schlagschatten" (1997) und "Zapping" (1998)
Erfolge verbuchten - Reizüberflutung ist für das Duo ein Fremdwort.
Weitere Termine in Trier: 17., 21., 24. Mai, 20 Uhr, Karten unter: 0651/4362034
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