

JANUS - doppelgesichtiger römischer Gott; wacht über Eingang und Ausgang, Anfang und Ende
JANUS
- zweiteilige Klanginstallation von Stefan Scheib und Katharina Bihler am
Eingang und Ausgang der
Landesgartenschau Trier / Petrisberg
· ROTES PORTAL (Entrée)
·
HAUS DER ELEMENTARBEWEGUNGEN
(Nähe Kunsthalle)
täglich
geöffnet
Einlass von 9:00 bis 19:00 (bzw. bis 20:30 im Juni, Juli und August)
"HERR H. VERLIESS SEIN HAUS AM MONTAG."
Das akustische Grundmaterial (Tonaufnahmen am ROTEN
PORTAL) wurde granularsynthetisch bearbeitet, wobei Einstellungen gewählt
wurden, welche dem Aggregatzustand der Luft entsprechen: sehr kleine, kurze
Stücke, bei denen das Grundmaterial kaum noch wiedererkannt werden kann,
mit deutlich hörbaren zeitlichen Abständen.
Die so gewonnenen akustischen Moleküle bewegen sich in der 8-Kanal Klanginstallation
über den Köpfen der BesucherInnen durchs Haus, beim einen Fenster
herein, beim anderen wieder hinaus.
Fliehkraft fordert und fördert Veränderung, das Aufgeben und Zurücklassen von Erreichtem, Beweglichkeit und Neuorientierung: Die Installation erzählt von sechs Menschen, die in diesem HAUS eine gewisse Zeit ihres Lebens verbracht haben und es dann wieder verließen - übers Dach, durch die Tür oder aus einem der Fenster hinaus. "Herr H." zum Beispiel " verließ sein Haus am Montag. Er ist zur Kur. Er nimmt Luftbäder."
Katharina
Bihler: Text und Stimme
Oliver Oppert: Installation Gänsefedern, Federstahl, Spiegel
Stefan Scheib: Soundprocessing

Vier elementare Bewegungen erhalten unseren Planeten am Leben: Fliehkraft, Schwerkraft, Rotation und Revolution. JANUS widmet jeder dieser Bewegungen (im etwa sechswöchigen Wechsel) eine eigene Mehrkanal-Klanginstallation.
Akustische Fundstücke, Klänge, O-Töne, Interviews und literarische Elemente werden granularsynthetisch bearbeitet und in akustische Bewegung versetzt.


Die Konzertperformance am Haus
der Elementarbewegungen spielt mit den Möglichkeiten verschiedener
Blick- und Hör-Winkel. Die relative Position der MusikerInnen zueinander
und zum Publikum verändert sich mit jedem der vier Sätze, aus denen
sie besteht und bestimmt, was jeweils in den Vordergrund tritt, legt akustische
Achsen in den Raum, konstituiert Haupt- und Nebenrichtungen.
Das "Haus der Elementarbewegungen" (JANUS Klanginstallation) mit
seinen vier roten Fenstern und zwei Türen, dessen Seiten genau nach den
Zwischenhimmelsrichtungen ausgerichtet sind, wird als Orientierungsrahmen
genutzt, um die verschiedenen (akustischen) Seiten ein und derselben Sache
hörbar zu machen. Gespielt wird von innen nach draußen, während
das Publikum seine Hörperspektive verändert, indem es sich ums Haus
bewegt.
Katharina Bihler - Textauswahl/Stimme/Gesang
Wollie Kaiser - Kontrabassklarinette, Klarinette
Hartmut Oßwald - Bassklarinette
Stefan Scheib - Komposition/Bass
P
R E S S E
zur
Installation + Performance

"'49 KAM ICH NACH DEM WESTEN..."
- mit diesen Worten begann die Lebenserzählung
eines Mannes, der uns vor einigen Wochen auf dem Petrisberg am jetzigen "Haus
der Elementarbewegungen" begegnete, und er erzählte uns auch den
ganzen Rest: Wie er sich durchschlug bis zu einer Tante an der holländischen
Grenze, dort nicht bleiben konnte, weiter zog, weiter wanderte, um schließlich
in Trier zu landen, wo er auf dem Petrisberg als Heizer Arbeit fand und blieb.
Hier, im ehemaligen Tankstellenhäuschen, der jetzigen JANUS Klanginstallation
im "Haus der Elementarbewegungen", habe er damals geschlafen, im
Stockbett, "die Wache unten und ich oben...". Nach fünfzig
Jahren hat er diesen Ort nun zum ersten Mal wieder gesehen.
Das Leben - ein mäandernder, wandernder Fluss. Ob der Dreiundziebzigjährige das Wandern vom Wasser gelernt hat, wie ein prominentes Wanderlied sagt? In der Klanginstallation, die während der Wasser-Phase im "Haus der Elementarbewegungen" zu hören ist, wird seine Erzählung jedenfalls von zu Wasser gewordenen Schritten der Gartenschau-BesucherInnen begleitet, die am Entrèe aufgenommen und dann elektronisch so bearbeitet wurden, daß sie die akustische Form und Bewegung des Wassers angenommen haben. Das Haus ist vom Lufttempel zum Badehaus geworden, ein Ort, an dem man sich trifft und erzählt.
Katharina
Bihler: Textmontage
Stefan Scheib: Soundprocessing



EINMAL SONNE SEIN
Das akustische Grundmaterial wurde granularsynthetisch in sehr kleine Bestandteile zerlegt. In einer vierkanaligen Anordnung wurden diese Atome so in Bewegung gebrachet, daß sie den Kopf der Besucherin / des Besuchers umkreisen, die/der sich in die Mitte des Raumes stellt.
Bereits am ROTEN PORTAL werden die BesucherInnen mit allen
Ehren begrüßt - wie es sich gegenüber der Sonne geziemt -
und auch im HAUS DER ELEMENTARBEWEGUNGEN sind sie Mittelpunkt allen Geschehens.
Diese Position bringt jedoch nicht nur Verehrung mit sich - die Planeten proben
den Aufstand...
HERR M. VERHÄLT SICH STILL UND WARTET.
Sie betreten dunkle Erde.
Aufgenommen mit einer Lochkamera, erscheinen Blüten und Pflanzenstrukturen
in der Dunkelheit als leuchtende, weiße, feingliedrige Skulpturen - Bilder
für das, was dem Samen der Pflanze als Möglichkeit innewohnt.
Katharina Bihler: Text und Stimme
Stefan Scheib: Soundprocessing
Pierre Metzinger: Fotografie

