| Die
TUFA lädt ein zum "Zapping": Eine reise in die Dimensionen der Zeit Schmucklose,
schwarze Leuchten hängen in geordneten Abständen von der Decke. Links hinten hat
die Jazz-Combo Platz genommen, bestehend aus dem Kontrabassisten Stefan Scheib,
dem Posaunisten Christof Thewes und dem Pianisten Thomas Bracht. Der karge Raum
ist Schauplatz für eine Auseinandersetzung mir der Zeit, über die "Sie" (Katharina
Bihler) und "Er" (Bernd Neunzling) sich Klarheit verschaffen wollen. "Zapping
- ein Stück (über) Zeit" heißt das Stück, das das Saarbrücker "Liquid Penguin
Ensemble" gemeinsam mit dem Trierer "theater duke's oak" im Rahmen des Kultursommers
Rheinland-Pfalz in der TUFA präsentierte. Die Szenen sind kurz, enden oft abrupt
und werden zu einem späteren Zeitpunkt wieder aufgenommen. Ausgangspunkt der Zeitsuchenden
ist ein Treffen: Er und Sie erinnern sich an eine Begegnung vor vielen Jahren.
Sie überlegen, wann sie sich das nächste Mal treffen werden - und ob sie diese
Begegnung wieder dem Zufall überlassen müssen. Oder läßt sich das nächste Wiedersehen
planen? Einen Versuch ist es wert, also bemühen sich die beiden, den Rhythmus
der Zeit zu ergründen. Ein anderer Erzählstrang erzählt die Geschichte eines Bergarbeiters
im schwedischen Falun, die Johann Peter Hebel unter dem Titel "Unverhofftes Wiedersehen"
im "Schatzkästlein des Rheinischen Hausfreundes" veröffentlichte. Wenige Tage
vor der Heirat fährt der Bergmann in seine Grube ein und kehrt nicht zurück. Gut
ein halbes Jahrhundert später wird der durch Vitriol konservierte Leichnam gefunden,
und die Braut sieht am Ende ihres Lebens den Jüngling wieder, den sie hatte heiraten
wollen: Die Zeit ist - scheinbar - stehengeblieben. Licht, Klang, Sprache, Farbe
und Rhythmus sind sie Elemente, die diese Zeit-Reise verwendet. Die Stimmung ist
voller Tristesse, Verzweiflung und Depression. Wie in einem Schwarzweißfilm reihen
sich die Bilder aneinander. Katharina Bihler und Bernd Neunzling bringen mit sparsam
eingesetzten schauspielerischen Mitteln die Vergeblichkeit menschlichen Kampfes
gegen die Zeit auf den Punkt. Einfach und phantasievoll ist die von Oliver Oppert
angefertigte Ausstattung. Die Dissonanz einzelner Sequenzen mündet harmonisch
am Ende in Henry Purcells "When I'm laid in Earth". Erst in der Rückkehr zum Ursprung
kommt alles zur Ruhe. In der nicht ganz ausverkauften TUFA dankten die Premierenbesucher
mit heftigem Applaus für diese nicht immer einfach zu konsumierende Reise in die
Tiefen der Zeit.
Karsten Steil |